SoSe 2014

 

I. Revolutionäre, Rebellen, Verschwörer. Figuren des Politischen um 1800 (Do, 14-16 Uhr)

 

Die Literatur um 1800 wimmelt von Revolutionären, Rebellen und Verschwörern, die zum einen die politischen Verhältnisse und Umwälzungen umgehend nach der Französischen Revolution sowie den Wunsch nach einer Gemeinschaft reflektieren. Zum anderen markieren diese Figuren auf einer weiteren Ebene die literarischen Umbrüche ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts: Eine Generation von Stürmern und Drängern lehnt sich gegen väterliche Autoritäten auf, will sich mit ihrem Schreiben von der handwerklichen Dichtkunst der Regelpoetik befreien und sich selber als Schöpfer installieren. Im ausgehenden 18. Jahrhundert kommen außerdem verschiedene literarische Strömungen zusammen, die sich teils aneinander orientieren und auch voneinander abgrenzen und neue Wege beschreiten wollen: die Spätaufklärung, Klassik und Frühromantik. Revolutionäre, Rebellen und Verschwörer können auch als Konfiguration dieser Umbrüche gedeutet werden.

Das Seminar will diese Figuren des Politischen vor allem in dramatischen Texten aus dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert untersuchen und insbesondere danach fragen, wie Revolutionen dramatisch inszeniert werden und welche Rhetoriken des Aufstands sich in den Dramentexten beobachten lassen.

Erwartet wird die Kenntnis folgender Primärtexte, die in den Semesterferien gründlich zu lesen sind: Johann Wolfgang von Goethe: Götz von Berlichingen (1773) und Egmont (1788); Friedrich Schiller: Die Räuber (1781); Die Verschwörung des Fiesko zu Genua (1783) und Wilhelm Tell (1804); Heinrich von Kleist: Die Hermannsschlacht (1809); Michael Kohlhaas (1810)

 

 

II. Am Apparat. Telefon und Telefonie im Spannungsverhältnis zwischen technischer Innovation, leidenschaftlicher Kommunikation und medialer Überwachung (Di, 14-16 Uhr)
 

In diesem Seminar geht es um das Telefon, jener technische Apparat, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert das erste Mal klingelt und seitdem viel mehr als nur die Übertragung einer fernen Stimme über eine elektrische Leitung impliziert. Die Lehrveranstaltung will nicht nur, aber vor allem, Liebesgespräche sowie die telefonische Überwachung in ausgewählten literarischen und filmischen Beispielen analysieren und vor allem danach fragen, was denn passiert, wenn das Telefon in den Dienst des Intim-Privaten sowie des Geheim-Politischen gestellt wird.

Zu Beginn des Semesters werden einige theoretische Texte aus dem Bereich der Medienwissenschaft, Philosophie und Psychoanalyse, u.a. von Freud, Lacan, McLuhan und Flusser, diskutiert. Ich möchte Sie also bitten, neben Ihrem Interesse am Thema eine große Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit anspruchsvollen Theorien mitzubringen.

Erwartet wird die Kenntnis folgender Primärtexte, die in den Semesterferien gründlich zu lesen sind: Hugo von Hofmannsthal: Der Schwierige (1921); Ingeborg Bachmann: Malina (1971); Franz Kafka: Das Schloss (1922); Kafka: Der Nachbar, in: Prosa aus dem Nachlaß; Kurt Tucholsky: „Ich rufe vor eins noch mal an-!“, in: Ein Pyrenäenbuch (1927) ; Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (Auszüge, 1908/09-1922).

Wir wollen außerdem Francis Ford Coppolas The Conversation (1974), Pedro Almodódovars Mujeres al borde de un ataque de nervios (Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs) (1988) und Atom Egoyan Calendar (1993) diskutieren. Die Filme werden an Abendterminen gezeigt; die Termine werden in der ersten Sitzung bekannt gegeben.

 

 

III. BA-Forschungsübung (Di, 18-20 Uhr)

 

Die Veranstaltung dient der Besprechung der fortlaufenden BA-Arbeiten, die ich betreue.